Entnazifizierung im Kreis Moers an zwei prominenten Beispielen
EntSCHULDigen Sie mich bitte !
von Hansfried Münchberg
80 Jahre ist das nun her, daß der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, daß das Nazi-Reich in die Knie gezwungen, das Land zerstört, die deutsche Nation moralisch zu Grunde gegangen war.
Der letzte Geschützdonner war noch nicht ganz verhallt, die Ruinen der zerbombten Häuser rauchten noch, hinten in Garten kokelte noch der kleine Scheiterhaufen mit den Resten des Hitlerbildes, der Hakenkreuzfahne und der braunen Uniformteile, da begann allüberall im Lande schon die „Säuberung“ der Biografien, das persönliche Entschulden, das Waschen der Hände in Unschuld.
Um weiter im vorher ausgeübten Beruf und Stand arbeiten zu können, musste man gegenüber den rasch eingerichteten Entnazifizierungskommissionen darlegen, daß man selbst ja gar nicht an der Knochenmühle des Nationalsozialismus beteiligt war, daß man allenfalls als unbedeutender Mitläufer nur das getan hat, was von einem erwartet wurde. Schnell war vor sich selbst eine Entschuldigung gefunden, schnell fanden sich auch Gleichgesinnte, die ihrerseits entschuldet werden wollten und nur zu bereitwillig auf Gegenseitigkeit dem Gegenüber die totale Harmlosigkeit zu attestieren bereit waren.
An zwei Beispielen aus unserem Altkreis Moers sei dies hier aufgezeigt. Als Quelle dienten Berichte der Zeitung „Der Grafschafter“, Entnazifizierungsakten Bubenzer und Avemarie, sowie Dr. Bernhard Schmidt „Tatort Moers“
Dr. Karl Bubenzer
Ranghöchster „Goldfasan“ bis Kriegsende war der Tierarzt Dr. Karl Bubenzer, sein Eintritt in die Partei erfolgte schon im Oktober 1930 in die SA trat er 1934 ein (SA-Standartenführer ehrenhalber), von 1931 bis 1934 war er Leiter der NSDAP Ortsgruppe Repelen. Im Jahr 1940 wurde er beurlaubt (Bis 7/41) nach Norwegen, dort war Bubenzer als Berater der „National Sammling“ (Quisling-Partei) tätig.

NSDAP Kreisleiter
Dr. Karl Bubenzer, Foto „Der Grafschafter“ 27.1.1937
Seit 1934 fungierte er als NSDAP-Kreisleiter, 1939 rückte er als Mitglied in den deutschen Reichstag. Im Juli 1942 wurde er zum Landrat des Altkreises Moers ernannt. Bubenzer pflegte nach außen hin das Bild des „netten Nazi“, stets volksnah und jovial auftretend, er gab gerne den „Karl von Baerl“. Angelegentlich eines Empfangs für Soldaten auf Heimaturlaub bewirtete er diese mit Cognac, requiriert aus dem besetzten Frankreich, gab auch gerne einmal eine Runde Zigarren aus. Bedürftige Moerser freuten sich über die Spende eine Radiogerätes, Bubenzer hatte eine ganze Ladung davon aus dem besetzten Norwegen „organisiert“. Möglicherweise beschlagnahmt bei inhaftierten oder vertriebenen Norwegern.
Als Beispiel seiner Haltung sei hier an Schreiben angeführt in dem er im Zusammenhang mit der Progromnacht an einen Herrn Ingenlath aus Rheurdt schreibt: „Wenn in der Versammlung in Rheurdt auch der Name ihres Bruders genannt wurde unter den Volksgenossen, die heute noch zum Judentum Beziehungen unterhalten, so ist es wohl verständlich, wenn angesichts der Empörung, die über die feige Mordtat in der Bevölkerung herrschte, diese auch zu Aktionen gegen derartige Volksgenossen schritt. In Ihrem Schreiben bestätigen Sie ja selbst, daß auch ihr Bruder noch wirtschaftliche Beziehungen zu dem Juden Cohn unterhielt. Ihr Hinweis, das Cohn der einzige Tierarzt am Orte war, bedeutete in diesem Falle nichts, da es sich ja nur um wenige Bauern handelte, bei denen der Jude Cohn seine Praxis ausübte, während der größte Teil der Bauern schon seit Jahren von Cohn, welcher als übler Vertreter es Judentums bekannt war, Abstand genommen hatte.
Wer angesichts der Welthetze des Judentums in den letzten Jahren noch Beziehungen zu den Juden unterhält, der hat das Recht verwirkt, sich zu den anständigen deutschen Volksgenossen zu zählen und muss daher bei derartigen Volkkundgebungen damit rechnen, daß die Volksgenossenschaft gegen ihn Front macht. So auch im Falle ihres Bruders. Hierfür ist weder der Ortsbürgermeister, der Redner noch die Partei für verantwortlich, sondern hat sich ihr Bruder dieses selbst zuzuschreiben.
Bubenzer kam1945 in Kriegsgefangenschaft, interniert zuletzt in den Lagern Dachau sowie in Recklinghausen, aus welchen er 1948 mit der provisorischen Einstufung „Minderbelastet“ entlassen wurde. Einige Monate später wurde er wegen Zugehörigkeit zur Gruppe der politischen Leiter der NSDAP zu einem Jahr und 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe galt durch die Internierungshaft abgegolten.
Zu seinem Entnazifizierungsverfahren bot er eine ganze Reihe Zeugen auf, vorwiegend aus dem konservativen „Zentrum“, die ihm gerne bescheinigten, er sei gar nicht so schlimm gewesen, habe sich sogar für den Einen oder Anderen eingesetzt, wenn diese Schwierigkeiten mit Partei oder Gestapo gehabt hätten. So gaben eidesstattliche Erklärungen ab:
Dr. Durben, Zentrum,
Jak. Terheyden Rektor Kastellschule ,Zentrum,
Ernst Holla, Zentrum,
ebenso entlastete ihn der ehemalige Kreissyndikus Dr. Herschel, von dem bei Kriegsende die Anweisung an die Behörden erging, belastende Akten zu vernichten. (vergl. Dr. B. Schmidt „Tatort Moers“)
Nicht als Entlastungszeugen gehört und angeführt werden konnten allerdings die ehemals in Moers lebenden Juden. Von den bei Beginn der Hitler-Herrschaft in Moers lebenden Menschen jüdischer Abstammung haben nur wenige diese Zeit überlebt. Die ersten Juden wurden im Dezember 1941 abtransportiert, bereits im Juli 1942 konnte Bubenzer stolz Moers als „Judenfrei“ nach Berlin melden.
Die von 1935 bis 1945 zwangssterilisierten Menschen wurden ebenfalls nicht als Be- oder Entlastungszeugen befragt, beispielsweise durchlitten dies im Krankenhaus Bethanien in Moers mehr als 300 Personen.
Ebensowenig konnten die 20 000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen als Entlastungszeugen befragt werden, die im Altkreis Moers als Arbeitssklaven schuften mussten, teilweise wurden sie zu Tode geschunden. Mehr als 900 von ihnen fanden in den KZ-ähnlichen Lagern der Kamp-Lintforter Zeche Friedrich Heinrich, den Rheinpreußen-Schächten, bei Krupp in Rheinhausen und in der Landwirtschaft den Tod. Einige kamen bei Bombenangriffen um, weil sie nicht mit den deutschen „Volksgenossen“in die Bunker durften.
Dr. Bubenzer lebte nach dem Krieg weiter in Moers, praktizierte als Tierarzt und wurde 1973 vom Verein ehemaliger Adolfiner zum Ehrenmitglied ernannt.
Ein weiteres Beispiel: Dr.Dr. Avemarie
Als weiteres Beispiel der Reinwaschung, ja sogar der nachträglichen Hochstilisierung zum Gegner und Opfer des Nationalsozialismus sei hier der damalige Direktor des Julius-Stursberg-Gymnasiums in Neukirchen angeführt. Dr. Dr. Friedrich Avemarie, trat der NSDAP 1933 bei. Zeitweise war er Ortsgruppenleiter in Neukirchen. Er war förderndes Mitglied der SS (Silberne Ehrennadel) hat dies in seinem Entnazifizierungsverfahren allerdings selbst nicht angegeben.

Das Neukirchener „Julius-Stursberg-Gymnasium“ die Wirkungsstätte Dr.Dr. Avemaries auf einer Aufnahme der Jubiläumsschrift 1957
Avemarie verfasste und veröffentlichte Lebensbilder von Hitler, Mussolini, Schlageter und Horst Wessel.
Gerne schrieb er Artikel zu dem von ihm Bewunderten Mussolini in der Zeitung, so zum Geburtstag des Duce 1933 unter dem Gedanken „Männer die Geschichte machen“
In der örtlichen Zeitung „Der Grafschafter“ veröffentlichte Avemarie hin und wieder seine Gedanken zur Erziehung der Jugend im dritten Reich. So beginnt zum Beispiel Ende April 1933 (27. /28./29.) unter der Überschrift Die neue deutsche Schule im dritten Reich“ einer seiner Artikel mit dem einführenden Satz: „Die legale nationale Revolution ist geboren aus einer Krise unseres völkischen Daseins. Wir sind ein Volk ohne Raum, d. h. mit verknapptem Lebensraum, und darum ist unsere Existenz aufs ernsteste bedroht. Zur Behebung dieser Not größten Ausmaßes muß ein neues Menschentum emporgezüchtet werden. Denn das liberalistische Bürgertum und die marxistische Arbeiterschaft, beide geeint in dem sogenannten System oder Zwischenreich von Weimar, haben keine Lebensformen zu ihrer Ueberwindung zu gestalten vermocht. Neue Ordnungen müssen das vorhandene begrenzte Berufsfeld so aufgliedern, daß trotz aller Enge der Arbeiter, Bürger und Bauer Erwerb und Unterhalt finden. Eine neue Weltanschauung, die des nationalen Sozialismus und des sozialen Nationalismus, muß den neuen Volksbürger ausprägen, der als Träger des dritten Reichs diese beiden neuen Prinzipien im völkisch geschlossenen Staat zum endlichen Siege führt.“ In dieser Geisteshaltung geht der Aufatz über etliche Seiten weiter.
Als Direktor eines evangelischen, vom Missionsverein getragenen, Gymnasiums konnte er nicht umhin auch die religiöen Bezüge zu erwähnen: „Das Programm der NSDAP. bekennt sich zum positiven Christentum“. Der Reichskanzler hat in seinen Rundsunkreden wiederholt sein Gottvertrauen und seine tiefe Ehrfurcht vor allem Heiligen bekundet. Die Rechte der Kirche, also auch ihr Anspruch auf Erteilung des Religionsunterrichts durch Pfarrer und Lehrer sind als unantastbar anerkannt worden.“

Artikel in „Der Grafschafter“ 18.9.1933
Zum Ende betont Avemarie: „Neben Rasse und Zucht gehört der Wehrgedanke zur neuen pädagogischen Grundlegung.“ oder: „ich als Einzelner, als Glied und Teil bin für mein Volk da und habe dem Ganzen zu dienen in treuer Pflichterfüllung bis zu Todesbereitschaft. Stirbt Deutschland, sterbe ich auch“. Das Parteiprogramn drückt diese neue Haltung mit dem knappen Satz aus, der eine politische und sittliche und religiös Weisheit enthält: Gemeinnutz geht vor Eigennutz!“
Auch zu Fragen der Reinhaltung der Rasse nahm er gerne Stellung, so zum Beispiel in einem Vortrag in der Schule im Jahr 1936, so berichtet „Der Grafschafter“:
„Im Mittelpunkt stand die Frage der Vererbung und der Erbgesundheitspflege. Studiendirektor Dr. Dr Avemarie unterrichtete einleitend über die derzeitige Lage und führte die Schulgemeinde in das Wesen der Begriffe Rassenlehre und Rassenhygienie“ oder Eugenik“ ein. Er unterstrich die Bedeutung im Blick auf die Gesetzgebung des Staates und die zu lösenden völkischen Aufgaben. Zur Ueberleitung zum Vortrag brachte er einiges aus Hitlers Mein Kampf“ über die Pflicht, das Blut rein zu erhalten und das Kind als kostbares Gut der Nation zu schützen, zur Verlesung. Der Erbkranke müsse erkennend und schweigend verzichten, der Erbgesunde freudig opfern und geben“
In einer von ihm verfassten Broschüre lässt sich Avemarie über “ Familie und Volk“ aus.
„Im Jahre 1932 hatte ich im Rheinlande vor Kaufleuten einen Vortrag zu halten, den ich unter dem Thema: Am Sterbelager der deutschen Volksseele“ ankündigte. In der auf mein Referat folgenden Aussprache wurde bemängelt, daß ich die Zersetzung“ der deutschen Familie zu schwarz geschildert hätte. Man könnte von Verelendung“, Auflösung“, Bolschewisierung“ auf diesem Lebensgebiet im Ernst doch nicht reden.
Heute sind wir endlich sehend geworden. Wir standen am Rande eines Abgrundes. Die Krisis“ der Ehe“ und Dämonie der Liebe“ hatten den Verfall der deutschen Familie tatsächlich im Gefolge. Unsere Bevölkerungsstatistik redet eine sehr ernste Sprache. Unsere Geburtenziffer hat den niedersten Stand seit 100 Jahren erreicht.
Die Zukunft der Nation ist gefährdet. Wir drohen zu vergreisen. Uns fehlt der Wille zum Kind. Wir haben eine zu große Zahl kinderscheuer kinderloser Ehen. Polen, Tschechen, ja selbst die“entarteten“ Franzosen haben uns durch ihren größeren Geburtenüberschuß bereits überflügelt.
Die deutsche Familie ist die Keimzelle des Volkes. Erkranken diese Zellen, dann verdorrt das ganze Gewebe.
…. Nach des Führers Worten sind die Frauen neben den Kindern der kostbarste Schatz einer Nation; das Ideal ist nicht die alte, ehrbare Jungfer, sondern die deutsche Frau, die starke Männer zur Welt bringt. Aber der Geschlechtstrieb darf nicht wie in den letzten 14 Jahren entarten ….
… Da und dort sind sie sogar soweit erniebrigt, daß ein Tummelplatz für untermenschliche Begierden daraus geworden ist.
Ehenot ist eine rassische Not. Naturwidrige Mischehen und das Fehlen der eugenischen Belehrung unserer ehemündigen Jugend verursachen Spannungen und schädigen ein Volk in seiner ureigentlichen Art.
Ein Querschnitt durch das Sittenleben der“besseren Stände“ in der Nachkriegszeit, das Wochenend-Treiben, das Eingehen von Zeit-, Probe-, Kameradschafts-, Geschwister-Ehen oder Ehen zu Dritt, die Schundbilder und Schundzeitschriften aus den letzten 14 Jahren der sogen. Scheidungs-Hotels“ in den Großstädten, das Ideal der Diva“ und des Luxusweibchens“, diese und schlimmere Erscheinungen beweisen die Entartung in den bürgerlichen Kreisen. Die Ehe war zum Jazz geworden. Man tanzte hinein und brach das Vergnügen“ nach Belieben wieder ab. Wen wundert’s, wenn 6 Millionen deutscher Menschen an der Lustseuche“ erkrankten und die erste nationale Pflicht frevelhaft mißachteten., dem Volke reine Leiber zu erhalten!
Es bleibt als ein Regierung der nationalen Revolan für alle Zeiten bestehen, daß sie diesem volkszerstörendem Treiben Einhalt gebot und unsere deutsche Kultur vor der gänzlichen Auflösung bewahrte.
Unsere Erziehung muß mehr auf Frauentum, Ehe und Familie abgestellt werden. Wer Mädchen erzieht, hat größte Veranwortung, muß Vestalinnen heranbilden, die heiliges Feuer auf dem heimischen Herd hüten, Wächterinnen deut schen Glaubens und deutscher Sitte sind und dem Vaterland eine starke, zuchtvolle, fromme Jugend schenken. Mussolini hat vor einigen Jahren einen schlichten Bäckermeister namens Luigi Sperandin anläßlich der Geburt seines 16. Kindes in 20jähriger Ehe geadelt. Elternschaft adelt alle mal!“
Weiteres Schrifttum von Dr.Dr. Avemarie war zum Beispiel „Deutschlands Ringen um Ehre und Freiheit vom Weltkrieg bis zum nationalsozialistischen Sieg“, oder „Adolf Hitler, der Weg des Führers von Braunau nach Berlin“; „Horst Wessel“, „Benito Mussolini“, „Schule in Not“, „Unsere Lufthelden im Weltkrieg“, einen Monat vor den Novemberpogromen veröffentlichte Avemarie in der Zeitschrift „Auf der Warte“ seinen extrem antisemitischen Aufsatz „Adolf Stoecker und die Juden“ um nur Einige zu nennen.
Nach Kriegsende wurde Avemarie zunächst aus dem Schuldienst entfernt, betrieb aber bereits ab Dezember 1946 seine Entnazifizierung mit dem Hinweis, er habe zwar Anfangs geglaubt, der Nationalsozialismus würde der christlichen Weltanschauung im Kern nicht widersprechen, im Laufe der Jahre aber, etwa ab 1935 immer mehr abgerückt von den Ideen des Nationalsozialismus, ja habe diesen sogar in Wort und Schrift bekämpft. Seine Publikationen seien ihm abhanden gekommen, er könne sich auch gar nicht mehr erinnern, was er da im Einzelnen publiziert habe.
In seinem Entnazifizierungs – Antrag behauptet er, er sei „unfreiwillig“ Mitglied der NDAP geworden und habe „nach Maß einer Kräfte Widerstand geleistet und er habe dadurch erhebliche Nachteile erlitten.
Auch wäre die eine oder andere Schrift seitens der Nazis gegen ihn ausgelegt worden.
Nur durch den Schutz des Neukirchener Bürgermeisters Neumann sei er nicht in Haft genommen worden, den er auch später als Entlastungszeugen angibt. (Neumann war einer der ersten Nazi – Bürgermeister in Preußen).
Im Gegenzug bescheinigte Avemarie dem Bürgermeister Neumann, er sei gar nicht so ein schlimmer Nazi gewesen. Noch in einer Festschrift des Gymnasiums aus dem Jahr 1955 schreibt Avemarie, Neumann habe stets seine schützende Hand über die Schule gehalten.
Avemarie führte zu seiner Entlastung zahlreiche Zeugen an, darunter auch Pfarrer Vowe, Peus Ferdinand Rel.-Lehrer Adolfinum, Neumann Erich ehem. Bürgermeister, Handick Hans ehem. Ortsgruppenleiter, Stursberg Richard ehem. Ortsgruppenleiter, Dr. Wilhelm Marx Adolfinum, Rudolf Köhler Haus Elim
Als weitere Entlastungszeugen benennt Avemarie auch Mitglieder des Lehrkörpers, darunter befand ich z.B. auch ein Latein- und Religionslehrer, seiner Legende nach aktiv in der „bekennenden Kirche“ im Widerstand, der allerdings in seinem früheren Leben auch SS-Oberscharführer war ( natürlich gar nicht aktiv selbst zur SS gekommen, sondern sozusagen zwangsweise über den Umweg als Flak-Helfer)
Nachdem Dr.Dr. Avemarie vom Entnazifizierungsausschuß als „minderbelastet“ eingestuft war, wurde dieser Einschätzung vom damaligen Oberschulrat Kruse widersprochen – „Avemarie wird zu milde bewertet, Propagandaschriften kann ich besorgen…“, weiter schreibt Oberschulrat Kruse: „… aber er konnte auch anders. Avemarie war der typische Mitläufer, welche Motive ihn bestimmten, das mag dahingestellt bleiben, vielleicht hat ihn auch Ehrgeiz bestimmt.. ….es ist nicht tragbar, daß er wieder Schulleiter und gar an seiner eigenen früheren Schule wird.“
Weiter zitiert Kruse aus alten Akten: „ gemäß Gutachten der NSDAP unter dem 17. Dezember 1940 -“Gegen den Schulleiter Dr. Dr. Avemarie bestehen in politischer Hinsicht keine Bedenken.“
Trotz dieser Einsprüche des Oberschulrates wurde Avemarie wieder eingestellt und wurde als Schulleiter eingesetzt und blieb das bis 1956.